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Inhalt

Der inzwischen 17jährige Aske wird seit seiner frühen Kindheit von seinem Vater sexuell missbraucht. Durch ihn und jeden, der bereit ist dafür zu zahlen. Gefilmt, vergewaltigt, behandelt wie ein Stück Vieh. Er hat einen Grund, das stilschweigend über sich ergehen zu lassen: Sein kleiner Bruder Bastian, bisher unberührt von seinem perversen Erzeuger.

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Kritik

Manche Film kann man kaum gucken. Nicht, weil sie es nicht wert wären, ganz im Gegenteil. Sondern weil sie sich kaum ertragen lassen. Weil sie ihr schreckliches Thema auf so unfassbare Weise darstellen, rein gar nichts von ihrer Grausamkeit dem Zuschauer vorenthalten wollen und trotzdem sich nicht am Elend voyeuristisch, reißerisch aufgeilen. Sie sind schier unerträglich und wissen, dass sie es sein müssen. Nicht unbedingt um ein Bewusstsein für das dargestellte Leiden zu schaffen, wenn dem so wäre müsste man dem Publikum seinen gesunden Menschenverstand absprechen. Aber verlangt so ein Thema nicht auch, sich mit den unbequemen, abschreckenden Bildern und Emotionen so ungeschönt wie möglich zu befassen, um eventuell auch wirklich im Detail für eine Sensibilisierung  zu sorgen? Zu bemerken, wann Handlungsbedarf besteht und das selbst in der unmittelbaren Nachbarschaft, in der Beschaulichkeit der Kleinstadtlangeweile Tag für Tag, über Jahre hinweg Dinge geschehen, von denen sich jeder angewidert abwenden würde? Wenn man sie denn aufnehmen würde.

Die zweite Regiearbeit des Dänen Brian Bang (Bunkeren) ist ein schockierender Blick hinter den Vorhang eines über Jahre gut gehüteten Geheimnisses. Den systematischen, fast schon kommerziellen, sexuellen Missbrauchs des eigenen Kindes. Lasse (abartig: Allan Karlsen) ist ein gewissenloser, pädophiler Alkoholiker, der seinen ältesten Sohn Aske schon in jungen Jahren missbraucht, vergewaltigt, an seine perversen Freunde (und später Kunden) „verleiht“ und für Selfmade-Pornos benutzt. Der Junge übersteht dieses Martyrium über mehr als 5 Jahre nur aus einem Grund: Dem Schutz seines kleinen Bruder Bastian. Denn so lange er sich gefügig für jede noch abgründige Abscheulichkeit bereiterklärt, umso größer die Chance für Bastian, nicht in seine Fußstapfen treten zu müssen. Obwohl es eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, aber für diese Art von Realismus ist bei Aske schon längst kein Platz mehr. Nach außen ist der hübsche Teenager vielleicht nur schüchtern und introvertiert, nach innen ist er ein trauriger Meister der Selbstaufopferung. Der seine Mutter sterben sah, als sie ihn vor dem Missbrauch beschützen wollte. Und der selbst bereit wäre das Selbe für seinen Bruder zu tun, der bis auf den Alkoholismus und gelegentliche, körperliche Gewalt durch ihren Vater noch viel zu unschuldig ist um nur zu erahnen, was nach den Gute-Nacht-Geschichten und der beschützenden Schlaftablette durch seinen Bruder Abend für Abend ein Stockwerk tiefer vor sich geht.

Durch seine puristische, realitätsnahe Inszenierung stilistisch erinnernd an die Dogma 95-Werke ist Brian Bang’s qualvoller Höllenritt an der Grenze des Zumutbaren. Thematisch schon verstörend wird dem Zuschauer wenig erspart. Wo manche Regisseure bewusst abblenden und den Rest dem inneren Auge überlassen würden, zwingt einen Bang zumindest einen Teil auch optisch über sich ergehen zu lassen. Muss das sein? Nun ja, wenn man sich Schonungslosigkeit – und wenn etwas schonungslos = nicht beschönigend behandelt werden sollte, dann wohl das  - auf die Fahne geschrieben hat, dann ist es zum Teil unumgänglich. Wenn man nicht Gefahr läuft, daraus einen ausschmückenden, einen Genre-effektiven Reiz zu generieren. Das wäre fatal. Aber davon ist For my Brother Gott sei Dank himmelweit entfernt. Eine Zerreis- und Kraftprobe, abseits von Reiz und Genussbefriedigung. Viel zu oft möchte man lieber abschalten und die Existenz des Gezeigten verleugnen. In dem Bewusstsein, dass es die Realität nur ungewohnt ungefiltert nachstellt. Die groben, aber realistischen Bilder sind der passenden Rahmen, verhindern sie doch eine befremdliche Ästhetisierung. Die unerfahrenen, aber glaubhaften Darsteller fügen sich in das unbequeme Gesamtbild ein. Unerträglich, aber mutig und wahnsinnig wichtig.

Fazit

Das schonungslose Portrait einer nie stattgefundenen, auf grausamste Weise zerstörten Kindheit und Existenz, die nur einen Grund zum Weiterleben besitzt: Den aufopferungsvollen Schutz seines Bruders. Berührend, aber genauso schonungslos wird der Zuschauer tief in die Abgründe der Gesellschaft gezogen. Getragen von den wenigen, dünnen Hoffnungsschimmern und kurzen Momenten von Menschlichkeit, die postwendend wieder demontiert werden. „For my Brother“ ist ein Film, der mehr als nur wehtut. Den man eigentlich verteufeln müsste, wenn er sich das alles ausdenken würde. Wenn es utopisch wäre. Nur weil er es thematisiert, kann man ihn nicht hassen. Dafür muss man ihn loben. Mit dem gebührenden Respekt. Die Magenschmerzen gibt es gratis dazu.

Autor: Jacko Kunze

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