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"Chernobyl" - Mini-Serie - Kritik

siBBe

Von siBBe in "Chernobyl" - Mini-Serie - Kritik

"Chernobyl" - Mini-Serie - Kritik Bildnachweis: © HBO / Sky

Story

Am 26. April 1986 kommt es zum Super-GAU: Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl explodiert. Die fünfteilige Serie "Chernobyl" erzählt die schockierende Geschichte der Katastrophe, ihrer Opfer und Helden. 

Kritik

Es ist eine der größten von Menschen verursachten Umweltkatastrophen aller Zeiten: das Reaktorunglück von Tschernobyl. Verarbeitet wurde das Thema um den Super-GAU schon in vielen Formen, aktuell ist es aber auch heute noch in einer Zeit, in der weiterhin auf Atomkraft gesetzt wird und es auch immer noch, siehe Fukushima, schnell zum Kontrollverlust kommen kann. Als Gemeinschaftsprojekt zwischen Sky und HBO entstand nun die 5-teilige Mini-Serie Chernobyl, die die erschreckenden Ereignisse zu rekonstruieren versucht, wofür sich Craig Mazin (Hangover 3Voll abgezockt) als Autor und Serienschöpfer verantwortlich zeigt. Zugegeben, letztgenannter Name darf für berechtigte Zweifel sorgen, doch für alle Beteiligten hat sich das Projekt in jedem Fall bezahlt gemacht: Chernobyl ist nicht nur in aller Munde, laut IMDb-Rating handelt es sich nach aktuellem Stand sogar um die bestbewertete Serie weltweit. 

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Die Serie beginnt mit ihrem Ende: Der sowjetische Atomphysiker Valery Legasov (Jared Harris), zentrale Figur der Geschichte, nimmt sich exakt zwei Jahre nach der Explosion im Atomkraftwerk das Leben, den Grund erfahren wir innerhalb der fünf Episoden im Anschluss. Dazu springen wir zwei Jahre zurück, zum 26. April 1986. Ein Test zur Notstromversorgung soll durchgeführt werden, durch den der Reaktor außer Kontrolle geriet. Menschliches Versagen in der Durchführung und eine generelle Fehlkonstruktion des Reaktors lösten schließlich eine destruktive Kettenreaktion aus, die nicht mehr aufzuhalten war. Als Zuschauer verfolgt man das Unglück voller Entsetzen, was sich dort nun abspielt, ist blanker Horror, der an die Nieren geht. Chernobyl fängt die verzweifelte, hilflose Stimmung aller Beteiligten mit schaurig-düsteren Bildern passend ein. 

Doch damit endet die Erzählung noch lange nicht.: Wir werden Zeuge, wie leichtsinnig die Verantwortlichen mit dem Unglück damals umgegangen sind, ohne sich der Dimension der Folgen gänzlich bewusst gewesen zu sein: Politik und Geheimdienst erwiesen sich in mehrerer Hinsicht als hinderlich bei der Eingrenzung des Schadens, Informationen wurden zurückgehalten oder manipuliert, um den Schein zu wahren, dass alles unter Kontrolle sei, was letztendlich alles nur noch schlimmer machte. Aber auch Unwissenheit spielte eine große Rolle, einen solchen Vorfall gab es zuvor noch nicht, darauf waren die Menschen in keinster Weise vorbereitet. Dass man einen brennenden Reaktor nicht einfach mit Wasser löschen kann, mussten die ersten Rettungskräfte am Einsatzort schmerzlich erfahren. Eine unsichtbare Bedrohung, deren Folgen früher oder später zum Vorschein kamen.

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Daher spielt sich der Schrecken in der Serie nicht nur am Unglücksort ab, sondern auch überall drumherum. Anhand von Einzelschicksalen und Parallelsträngen wird so verdeutlicht, was sich damals schreckliches zugetragen hat. Die Körper von verstrahlten Opfern lösten sich unter entsetzlichen Schmerzen nahezu auf, umherstreifende Tiere mussten allesamt erschossen werden, Ortschaften wurden restlos evakuiert  und unzählige Menschen, sogenannte Liquidatoren, mussten bei der Eindämmung des Schadens aushelfen, wohl wissend, dass sie den Einsatz nicht überleben. Chernobyl zeigt all diese Tragödien detailliert auf, ohne je darauf aus zu sein, Sensationscharakter anzunehmen. Gelegentliche Abwandlungen sind zu dramaturgischen Zwecken zwar vollzogen worden, immerhin handelt es sich um eine historische Drama-Serie, keine Dokumentation, dennoch hält man sich weitestgehend an wahren Begebenheiten und bemüht sich um einen realistischen und auch respektvollen Umgang mit dem Stoff. 

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Doch Chernobyl weiß nicht nur auf erzählerischer Ebene zu begeistern, sondern zeigt sich, wie man es von HBO gewohnt ist, auch technisch einwandfrei. Vor allem in Sachen Ausstattung hat das Team großartige Arbeit geleistet, die akkurate Darstellung der damaligen Sowjetunion, von den Kostümen, der Einrichtung bis hin zur authentisch gezeichneten Umgebung, entspricht einem hohen Detailgrad, der sich nah an der Wirklichkeit bewegen soll und schon von vielen Seiten bestätigt wurde.  Dass darüber hinaus auch der Cast, unter anderem bestehend aus Jessie Buckley (Beast), Jared Harris (The Crown), Emily Watson (Hilary and Jackie) und Stellan Skarsgård (Nymphomaniac), stark aufspielt, rundet den ohnehin schon positiven Gesamteindruck ab. Stören könnte man sich unter Umständen nur daran, dass nicht im Originalton gesprochen wird, sondern auf Englisch, was gelegentlich fremdartig wirken kann. Doch so bleibt die Serie wohl einem größeren Publikum zugänglich. Russland hat jedoch schon eine eigene Variante angekündigt, die ihre Sicht der Dinge darstellen soll. Nun, wir dürfen gespannt sein. 

Fazit

Wenn in "Chernobyl" die Strahlungsmessgeräte knattern, ist das vor dem realen Hintergrund gruseliger als jeder Horrorfilm. HBO ist mit seiner neuen Mini-Serie erneut ein Volltreffer gelungen, der uns nicht nur an ein wichtiges Kapitel unserer Geschichte erinnert, welches wir uns auch heute noch unbedingt vor Augen halten sollten, sondern schafft es, zugleich mit seiner spannenden Erzählung und der technisch hervorragenden, detailverliebten Umsetzung zu begeistern. 

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