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The Polka King schildert den Aufstieg und Fall des polnischen Einwanderers Jan Lewan, der als Souvenirverkäufer in den Siebzigern anfängt. Um sein eigenes Musikimperium zu gründen, nimmt er Investoren aus und besticht Beamte. Dazu nutzt er etwas, das später als Polka-Ponzi-Trick bekannt wurde. Mit seinem Vorhaben sind auch seine Frau Marla und sein Begleiter Mickey involviert.

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Kritik

Erfolg hat seinen Preis: Das beweist uns die Realität jeden Tag. Und weil das selbstverständlich nicht reicht, lässt uns das Kinoprogramm im regelmäßigen Turnus Zeuge davon werden, welche Breitschaft die Menschen an den Tag legen, um ihre Ziele zu erreichen. Natürlich reden wir hier von Scarface, in dem Al Pacino als Tony Montana kein Interesse daran hat, sich die Finger beim tagtäglichen Tellerwaschen aufweichen zu lassen und dafür ein Drogenimperium errichtet, dessen Niedergang bereits von Beginn an beschlossene Sache ist. Auch Wolf of Wall Street, Citizen Kane oder Giganten schlagen auf ikonische Art und Weise in diese Kerbe und erzählen den Aufstieg und Fall von Männern nach, für die die Sterne zum Greifen nahe waren, deren eingeschlagene Wege zu den Sternen ihnen aber schlussendlich das Genick brechen sollte.

Auch The Polka King arbeitet sich nun im Namen der Distributionsplattform Netflix am dramaturgischen Konzept der Rise & Fall-Erzählung ab und bezieht sich dabei auf die wahre Geschichte des polnischen Immigranten Jan Lewandowski, der zum Aushängeschild der Polka-Musik in Amerika wurde und es sogar vollbrachte, eine Grammy-Nominierung einzuheimsen. Natürlich ist die Erfolgsgeschichte von Jan hiermit noch nicht auserzählt, denn neben seiner Musiklaufbahn veranstaltete er Busreisen ins Ausland und leitete einen Souvenirladen, den er mit Artikeln ausstattete, die er in Polen spottbillige einkaufte und in Amerika zu deutlich überhöhten Preisen wieder vertrieb. Um all diese Einnahmequellen nicht versiegen zu lassen, suchte er sich Investoren und versprach diesen eine garantierte Rendite von 12% - ohne jede Registrierung. Der Untergang war auch für Jan, trotz Vor- und Verwarnungen, beschlossene Sache.

Welches Attribut The Polka King natürlich vollkommen abhandenkommt, ist der originelle Impuls. Der erzählerische Rahmen, den Maya Forbes (Infinitely Polar Bear) und Wallace Wolodarsky (Lust auf Seitensprünge) um die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte spannen, ist formelhaft, unzählige Male aufbreitet und – wie könnte es bei diesen Umständen anders sein – vorhersehbar. Das Regie- und Autorengespann allerdings verbringt es dennoch, eine nicht uninteressante und zuweilen wirklich tragikomische Abhandlung über die Geschäftsstrukturen Amerikas hervorzubringen, welche sich im Kern auf das Handwerk des Betrugs berufen: Jan (Jack Black, Jumanji: Willkommen im Dschungel) muss lernen, leere Worte als verdeckte Waffe mit sich zu tragen. Er muss sich die Macht der Lügen aneignen, um sich nicht nur eine regionale, sondern eine nationale Popularität anzueignen.

Das satirische Potenzial bleibt durch eine recht oberflächliche Behandlung der Lebensgeschichte Lewandowskis zwar weitgehend ungenutzt, angenehm gestaltet sich dafür jedoch Forbes' und Wolodarskys nie bloßstellender Umgang mit dem Hauptakteur. Obgleich sich Jan zu kriminellen Machenschaften bewusst hinreißen lässt und damit nach und nach nicht nur das Misstrauen seiner Frau Maria (Jenny Slate, Parks & Recreation) und seines besten Freundes Mickey (Jason Schwartzman, Rushmore) auf sich zieht, sondern das ganze Land dazu zwingt, den Glauben an ihn zu verlieren, darf sich Jan weiterhin als gutherziger Träumer bestätigen. Der „polnische Prinz“ gibt sich der Illegalität nicht hin, um anderen Menschen zu schaden, sondern scheint all die äußeren Widerstände als hinzunehmende Prüfung zu verstehen, um den amerikanischen Traum am eigenen Leib zu erfahren. The Polka King jedoch baut keine Luftschlösser, sondern wandelt sich zur amerikanischen Tragödie.

Das Ende kam für Jan in mehreren harten Schlägen. Erst wurde sein Sohn Opfer eines Busunfalls, den Jan mitzuverantworten hat, danach folgte ein fünfjähriger Gefängnisaufenthalt, bei dem Jan durch einen Messerangriff beinahe ums Leben gekommen wäre – und zu allem Überfluss trennte sich seine Frau, die immer mit dem übergroßen Schatten ihres Mannes zu kämpfen hatte, von ihm. Der Polka-König musste seine Krone abgeben. Jack Black indes überzeugt in der Hauptrolle durch sein Porträt eines Mannes, der von einer solch überschäumenden Lebensfreude und Güte durchströmt ist, dass es ihm sichtlich schwerfällt, gegenteilige Emotionen und Gefühlsregungen entsprechend zu verarbeiten. Dass man sich an Blacks wildem Gestikulieren und den mimischen Kabinettsstückchen stören kann, ist kein Geheimnis mehr. Jan Lewandowski allerdings erweckt er gerade durch die Schwierigkeit, den Ernst der Lage auch innerhalb des körperlichen Ausdrucks zu begreifen, greifbar zum Leben.

Fazit

Wer originelles Storytelling erwartet, der ist mit "The Polka King" an der falschen Adresse, folgen Maya Forbes und Wallace Wolodarsky doch den dramaturgischen Gesetzen des traditionellen Rise & Fall. Was dem auf Tatsachen beruhenden Film allerdings ziemlich gut gelingt, ist aufzuzeigen, dass auch die treuherzigste Seele lernen muss, sich das Handwerk des Lügens anzueignen, um in Amerika Erfolg zu haben. Und: Jack Black ist in der Hauptrolle des Polka-Königs Jan Lewandowski einmal mehr hinreißend.

Autor: Pascal Reis

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