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"Stonewall" ist die Geschichte eines fiktiven jungen Mannes, der 1969 in die historischen Stonewall-Unruhen hineingezogen wird: Als Danny Winters (Jeremy Irvine) von seinen Eltern verstoßen wird, muss er seine Freunde zurücklassen und nach New York fliehen. Ohne Dach über dem Kopf und völlig mittellos lernt er in Greenwich Village eine Clique von Street Kids kennen, die ihn in die Kneipe The Stonewall Inn mitnehmen. Doch die zwielichtige Bar gehört der Mafia und ist nicht gerade eine Oase der Ruhe und Besinnlichkeit. Danny und seine Freunde werden diskriminiert und übel behandelt, selbst die Polizei schreckt vor Übergriffen nicht zurück - mit der Zeit staut sich eine ungeheure Wut in ihnen an. Das gilt für Danny ebenso wie für die gesamte Gemeinschaft der jungen Schwulen, Lesben und Transvestiten, die sich im Stonewall Inn treffen. Bis sich eines Tages ihr Zorn entlädt: Als der erste Stein fliegt, kommt es zum Aufstand - der Beginn ihres Kreuzzugs für die Gleichberechtigung.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Immer nur Destruktion im höchstmöglichen Ausmaß kann auch für den größten Bauklötzeumwerfer auf die Dauer ermüdend und langweilig sein. Das erkannte eines Tages auch Roland Emmerich und inszenierte im Jahre 2011 das Historien-Drama „Anonymus“ welches sich mit der These auseinandersetzt, dass William Shakespeares Werke eigentlich von einem Ghostwriter kamen. Der Film war kein sonderlich großer Erfolg, doch der zeigte, dass Emmerich eben doch mehr kann als bloß Metropolen und ganze Landstiche filmisch in Schutt und Asche zu legen. Auch wenn „Anonymus“ beim Publikum und einigen Kritikern nicht sonderlich gut ankam, so scheint er zumindest Emmerich beflügelt zu haben, so dass er vor seinem nächsten Big-Budget-Projekt, den Sequels zu „Independence Day“, noch einmal einen kleineren Film inszenierte: „Stonewall“.

Stonewall“ ist für Emmerich ein Herzensprojekt. Schon oft gab der homosexuelle Regisseur an, dass ihn die historische Vergangenheit des Gay Liberation Marsh interessiere. Herausgekommen ist daraus dieses Drama, welches im Zentrum die fiktive Figur des Danny Winters (Jeremy Irvine, „Die Frau in Schwarz 2 – Engel des Todes“) hat, einem All American Boy aus dem konservativen Süden, der wegen seiner Homosexualität von seinem Vater verstoßen wird. Ja, so etwas gab es damals – der Film spielt im Jahre1969 –recht häufig und noch heute werden Menschen wegen ihrer Sexualität von ihren Familien verstoßen, doch das ändert nichts daran, dass Emmerich und sein Drehbuchautor Jon Robin Baitz (der zuvor hauptsächlich als Scriptwriter für Serien wie "Brothers & Sisters" tätig war) hier eine Klischeekanonade abfeuern, die sich gewaschen hat.

Gut, möchte man meinen, als Ausgangspunkt ist das akzeptabel, allerdings bleibt „Stonewall“ diesem Muster stetig treu. Kein Charakter der im Film auftaucht wirkt wirklich authentisch oder lebendig. Sie alle, egal ob Drag Queen, Polizist oder Politiker, sind nicht mehr als äußerst eindimensionale Abziehbilder. Dazu erweist sich als Liebeswirrwarr rund um Danny und seinen beiden Liebschaften als äußerst zweckmäßige wie auch verkitsche Angelegenheit, die dem eigentlichen Thema nicht sonderlich viel beizufügen hat.

Zwar thematisiert „Stonewall“ die Unterdrückung der Homosexuellen zur damaligen Zeit, zeigt Polizeiwillkür sowie menschliches Einbahnstraßendenken, aber niemals gelingt es Roland Emmerich wirklich eine Stimmung des Revoltierens zu generieren. Sein Drama bleibt stumpf sowie einfältig und entfacht niemals eine Leidenschaft und vor allem eine mitziehende Kraft. Alles bleibt auf einer sehr sentimentalen Ebene, in der die Selbstfindung des Landei Dannys wichtiger erscheint, als der Kampf der Homosexuellen für Gleichberechtigung und Toleranz.

Sowieso verkommen die sogenannten Stonewall Riots fast schon zu einer finalen Fußnote. Die Ausschreitungen, die als letzter, großer Funke gelten, die das Feuer der Schwulenrechtsbewegung entzündete, wirken dadurch dass Emmerich sich voll und ganz auf Danny und seine neuen New Yorker Freunde fokussiert, fast schon etwas läppisch und kleingehalten. Auch werden die Aufstände recht schnell abgehandelt, da ist es umso ärgerlicher, dass man sich zuvor durch fast zwei Stunden voller müder und einseitiger Charakterisierungen kämpfen musste und ganz nebenbei noch Zeuge wurde, wie Emmerich versucht das Sittenbild der damaligen Zeit noch mit einem äußerst lustlosen und marginalen  Thriller-Nebenplot zu verstärken.

Fazit

Ein wichtiges, ein noch heute relevantes Thema hat sich Roland Emmerich für sein Drama „Stonewall“ ausgesucht. Das ehrt ihn. Doch leider erweist sich der Historienfilm als überseichte Abhandlung der damaligen Geschehnisse, die dazu fast schon zu sehr in den Hintergrund rücken, weil Emmerich sich viel mehr auf die Entwicklung einer einzelnen Person konzentriert, die darüber hinaus äußerst flach porträtiert wird – genau wie alle anderen Charaktere. So gesehen ist der Film zumindest in Sachen Gleichberechtigung ganz vorne mit dabei.

Es ist wirklich bedauerlich, aber „Stonewall“ ist leider nicht mehr als eine Enttäuschung, vor allem wenn man bedenkt, dass die eigentlichen Aussagen des Films nicht von der Handlung und den Figuren kommen, sondern von den Texttafeln zu Beginn und am Ende des Dramas.

Autor: Sebastian Groß

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