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Frankie Dunn hat sein Leben als Trainer und Manager im Ring verbracht. Der Triumph einer Boxweltmeisterschaft ist ihm bisher allerdings versagt geblieben. Die entscheidende Regel, die er seinen Fightern beibringt, befolgt er auch selbst: Wichtiger als alles andere ist die eigene Deckung. Seit vielen Jahren ist er keine engere Beziehung mehr eingegangen. Nur einer darf sich sein Freund nennen: Ex-Boxer Scrap, der in Frankies Boxhalle nach dem Rechten sieht. Als die 31-jährige Kellnerin Maggie Fitzgerald im Trainingscenter auftaucht, knurrt Frankie: "Ich trainiere keine Frauen". Doch Maggie bleibt hartnäckig. Täglich übt sie mit unbändigem Talent und erstaunlicher Willenskraft. Sie ist unbeirrbar entschlossen, ihren einzigen Traum, ihre einzige Chance auf Anerkennung nicht aufzugeben...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Manchmal liegen Wunden zu nah am Knochen, sodass die Blutung nicht gestellt werden kann. Genauso ist es auch mit Gefühlen: Wenn sie erst einmal an Eigendynamik gewonnen und Mark und Bein durchdrungen haben, ist es nahezu unmöglich, ihnen Einhalt zu gewähren. Beim Boxen wird der Kampf in einem solchen Fall abgebrochen und eine schnelle Behandlung eingeleitet. Im echten Leben aber ist man gezwungen, den Schmerz durchzustehen. Der mit vier Oscars ausgezeichnete Million Dollar Baby von Clint Eastwood (Letters from Iwo Jima) ist ein Film, der die Marter der physischen Verletzung und noch mehr der emotionalen Zerrüttung erforscht und damit einen Regisseur aufzeigt, der offenkundig dazu gelernt hat; der im Angesicht des eigenen Alters den wahren Werten des Lebens auf den Zahn zu fühlen scheint.

Das seit den 1960er Jahren aktive Kino, für das der Name Clint Eastwood quasi seit jeher einstand, war gerne ein ikonisches, ja, aber oftmals auch ein nicht minder rückständiges. Dass der einstige Dirty Harry, der erst geschossen hat, bevor er Fragen stellte, aber durchaus in der Lage ist, sensible Töne anzuschlagen, bewiesen in den 1990er Jahren schon die behutsam arrangierten Perfect World sowie Die Brücken am Fluss. Bis Mystic River, der das beeindruckende Spätwerk von Clint Eastwood einweihte, eine ungeahnte Intensität dahingehend offenbarte, sich ohne Umschweife auf das zerklüftete Seelenleben der Protagonisten einzulassen. Million Dollar Baby kann sich daher auch als die logische Folge eines Künstlers verstehen lassen, der sich kontinuierlich weiterentwickeln sollte und, spätestens mit über 70 Jahren, kein Interesse mehr daran aufweist, Klischees und Erwartungshaltungen zu bedienen.

Was geblieben ist, ist die harte Schale, die den Boxstudio-Inhaber Frankie (Eastwood) dazu verleitet, durch die Hallen des Gyms zu knurren. Unzählige Sportler hat er schon trainiert, für einen Titel hat es nie gereicht, letztlich auch aus dem Grund, weil Frankie irgendwann begonnen hat, sich selbst vor Meisterschaftskämpfen zu schützen. Die Vergangenheit nämlich hat das Unglück magnetisch angezogen, deswegen nicht zu hoch pokern, sondern tiefstaplen. An seiner Seite steht Scrap (Morgan Freeman, Sieben), der früher ein Ausnahmetalent war, zu den Sternen greifen wollte und dadurch ein Auge verloren hat: Jeder hat eine bestimmte Anzahl Kämpfe in sich. Bei Scrap, der Million Dollar Baby auch als Kommentator aus dem Off begleitet, waren es 109. Seinen 110. aber wird er in einer der besten Szenen des Films noch bestreiten können.

In Wahrheit geht es in Million Dollar Baby aber um die 31-jährige Maggie (Hilary Swank, Boys Don't Cry). In einem Trailerpark aufgewachsen und seit ihrem 13. Geburtstag als Kellnerin tätig, wünscht sich nichts inbrünstiger, als eine Karriere als Boxerin. Sie besteht darauf, dass Frankie sie in Form bringt, der allerdings weigert sich, eine Frau zu trainieren. Also weiter sinnlos bis tief in die Nacht auf den Sandsack einprügeln, um dann im Restaurant heimlich das Fleisch vom Teller der Gäste einzupacken. Natürlich aber lässt Frankie sich hinreißen und nimmt sich der jungen Frau, die eigentlich zu alt ist, um noch eine Rolle im Boxsport zu spielen, an. Weil sie ambitioniert ist, Disziplin zeigt, lernfähig ist – und ihn an seine Tochter erinnert, mit der Frankie seit Jahren nicht mehr gesprochen hat.

Was klischeehaft, abgedroschen und plattgewalzt anmutet, ist in Wahrheit nur die anfängliche (Genre-)Startrampe, der zusehends die dramaturgischen Stützpfeiler entrissen werden. Million Dollar Baby bemüht sie nicht noch einmal, die obligatorische Geschichte vom Underdog, der sich bis ganz nach oben durchbeißt. Blut, Schweiß und Tränen stehen hier nicht im Kontext eines sportlichen Siegeszuges. Von Beginn an schon zeichnet sich die Bildsprache von Million Dollar Baby durch eine schleierhafte Düsternis aus; ein vordeutendes Farbspektrum, das einzig Oliv, Braun und Schwarz abdeckt – und seine Charaktere manchmal verschlingt, wenn sie sich zu sehr aus dem gedämpften Licht herausbewegen. Dem Aufstieg, den Maggie dank Frankie erlebt, ist (vordergründig) nicht zu trauen. Darum geht es Eastwood auch nicht. Hinter dieser klassischen Außenseiterballade steckt mehr, steckt Tieferes, Wesentlicheres, Urwüchsigeres. Darum geht es.

So wie das Boxen hier über das Einholen von Anerkennung definiert wird, sind Maggie und Frankie zwei gesellschaftliche Randläufer, die sich nach einem Sinn sehnen, der ihre Existenz ausfüllen könnte. Das ergreifende Zusammenspiel zwischen Hilary Swank und Clint Eastwood - der gefühlsgeladene, aber niemals sentimentale Aktivposten der Narration - entzündet eine aufopferungsvolle, leidensfähige und -erprobte Zuneigung, die von reiner, purer, kompromissloser Liebe berichtet. Million Dollar Baby ist dabei so politisch wie menschlich; so kampflustig wie subtil und bindet zwischen den beiden Hauptakteuren einen unerschütterlichen Gefühlsknoten, der die Breitschaft, zusammen zu kämpfen, sich zusammen zu quälen und zusammen eine lebenswerte Aufgabe zu finden, bis zur letzten Einstellung authentisch greifbar macht. Wenn Million Dollar Baby etwas ist, dann aufrichtiges Erwachsenenkino, fokussiert, leicht lakonisch, aufwühlend. Ein cineastischer Wirkungstreffer.

Fazit

Kein „weiblicher Rocky“, sondern ein Film, der die großen Fragen des Lebens forciert. Clint Eastwood baut sein erstaunliches Spätwerk nach "Mystic River" um ein weiteres hochgradig emotionales Meisterwerk aus und berichtet vor der Folie des klassischen Boxkinos von einer reinen, puren Liebe, die niemals eine bequeme Antwort auf das ist, was wir in unserem Dasein suchen. Ein großer, zutiefst menschlicher Film über die Bereitschaft zu kämpfen, zu leiden...zu leben.

Autor: Pascal Reis

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