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Ichiko ist die ultimative Slackerin. Kettenrauchend, ungewaschen und zockend verbringt sie eine unbekannte Zeit auf dem Sofa im Haus ihrer Mutter. Doch dann eskaliert ein Streit und sie ist gezwungen, im Alter von 32 Jahren, zum ersten Mal für sich selbst zu Sorgen...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Was vermögen leere Versprechungen nicht zu enttäuschen. Und das, obwohl alles so schön hätte ablaufen können. 100 Yen Love, ein Film des japanischen Regisseurs Masaharu Take (Gun), der zwar schon 2014 veröffentlicht wurde aber erst in diesem Jahr auch in Deutschland auf der Leinwand zu sehen war. Der Film lief auf zahlreichen Festivals, unter anderem dem Japan Filmfest Hamburg, bei dem Moviebreak ebenfalls zu Gast war, und wurde sogar von Japan als Beitrag für den besten ausländischen Film bei den Oscars eingereicht. Ohne Erfolg. Schönerweise ist genau das das Thema des Films. Denn auch die Hauptfigur Ichiko, lustvoll lustlos von Sakura Ando (die eine Hauptrolle im diesjährigen Cannes-Sieger Shoplifters spielt) dargestellt, hat keinen Erfolg. Lange nicht gehabt und deshalb versucht sie es gar nicht erst. Und so sitzt sie im Alter von 32 Jahren auf der ranzigen Couch im Hause ihrer Mutter und kettenzockt und -raucht den ganzen Tag.

Sie ist ein Nichtsnutz, Uniabbrecher und unverbesserlicher Drecksspatz. Waschen tut sie sich wohl eher selten. Schmutz kann man schließlich auch abkratzen. Natürlich ist ihr Umfeld nicht mit ihrer Lebensform zufrieden, natürlich entstehen dabei Spannungen, die sich zwangsläufig entladen. Als sich diese unterdrückte Gewalt in einem animalischen Aufbegehren entlädt und sich gegen die eigene Familie richtet, verliert sie den einzigen Halt in ihrem Leben. Das eigene Zimmer. Für eine Sekunde schaut sie wie ein kleines Kind, das merkt, einen Fehler begangen zu haben. Doch sofort gehen wieder alle Rollläden runter und halten ihr Gesicht im Schatten. Sie wollte ja eh schon abhauen. Es ist vielleicht auch dieser selbstverständliche Weg der Antiheldin, die dazu führte, dass dem Film im Voraus die Seele eines New Hollywood-Films attestiert wurde. Eventuell spielte auch die mundharmonika-betonte Rock-Musik eine Rolle. Ansonsten verpufft das Versprechen in der warmen Luft.

„Er hat mir vorgeworfen ich wäre ein Rassist. Und deshalb hasse ich Ausländer.“

Denn 100 Yen Love ist in keiner Art und Weise überraschend oder neuartig. Lediglich das Finale wandelt altbekanntes Geschehen - zugegebenermaßen charmant - ab. Den Rest hat man so oder ähnlich schon oftmals gesehen. Nachdem Ichiko aus ihrer Wohlfühlzone gestoßen wird, trifft sie plötzlich auf Menschen. Menschen, die mit ihr reden und dabei nicht nur Vorwürfe äußern. Die Kommunikation läuft dabei grundlegend schief, weil der Film eine Gesellschaft zeichnet, in der sich jeder völlig fremd. Über alle wird gelästert, jedem werden seine Träume vermiest und alle sehen Gefahren im Andersartigen. Andere Themen vermag der Film nicht überzeugend zu bespielen. Und tatsächlich sind selbst diese Figuren von einer verdammt anstrengenden Art. Nämlich weil der Film sie für ulkig empfindet, obwohl sie das nicht sind. Penetrant und beinahe verwerflich wird es dann, wenn der Film Unterleibsschmerzen nach einer Vergewaltigung um ein Haar als Witz inszeniert. Mit New Hollywood-esker moralischer Ambivalenz kann man dem Film dabei nicht rettend zur Seite kommen, weil 100 Yen Love nie auch nur versucht, ein Gerüst aufzubauen, das mit solchen Themen und Werten umzugehen vermag.

Fazit

Mit „100 Yen Love“ hat Regisseur Masaharu Take einen sehr unausgereiften Film inszeniert. Während die Hauptdarstellerin eine sehenswerte Leistung abliefert, tut sie das in einem Werk, dass sich für anders hält, aber dieses Versprechen nie erfüllt. Nein, schwerer fassbar als „Der Weg ist das Ziel.“ darf es hier nie werden. Größere Themen werden berührt, aber entweder fahrlässig fallen gelassen oder grenzwertig bis geschmacklos behandelt. Und so hat der Film nach einer Stunde alles erzählt und weiß nicht, was er mit der restlichen Zeit noch anfangen soll. Aber kurz vor der totalen Stagnation der Geschichte, kurz bevor alles einrostet, wird regelmäßig eine Trainingsmontage mit lauter Musik eingefügt. Beim ersten Mal schaut man noch brav hin. Irgendwann nicht mehr.

Autor: Levin Günther

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