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Nie aufhören, nie einen Schritt zurück und immer weiterkämpfen. Diesem Lebensmotto bleibt John Gotti sein Leben lang treu. Als Paul Castellano, Führungsmitglied der Cosa Nostra, 1986 auf offener Straße in Manhattan erschossen wird, rückt Gotti, der den Mord skrupellos selbst beauftragt hat, zum Mafiaboss von New York auf. Während Ehefrau Victoria ihm den Rückhalt in einem scheinbar bürgerlichen Leben gibt, scheint Gotti lange Zeit unantastbar zu sein, weswegen er auch den Spitznamen Teflon-Don erhält, da alle Versuche der Strafverfolgung ihn einzusperren, spurlos an ihm abperlen. Doch allmählich gerät Gottis Imperium ins Wanken und auch sein Sohn John Gotti Jr. fasst einen verhängnisvollen Entschluss.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wenn John Joseph Gotti (1940-2002) in der Hochphase seiner Geltung durch sein Heimatviertel in Queens geschritten ist, dann haben die Leute auf der Straße den Hut vor ihm gezückt. Nicht etwa aus angsterfülltem Respekt, sondern aus echter, demütiger Dankbarkeit. Gotti, der größte, schillerndste und gnadenloseste Mafioso der amerikanischen Geschichte seit Al Capone, gerierte sich als Wohltäter und erarbeite sich somit den Ruf eines Volkshelden: Hier eine kleine Spende, dort ein imposant finanziertes Feuerwerk an nationalen Feiertagen und wenn die Sonne mal wieder unnachgiebig vom Himmel brannte, ach was soll's, Eiscreme und Kaltgetränke für alle! Das Oberhaupt der berühmt-berüchtigten Gambino-Familie aber war kein Edelmann, sondern ein machtgieriger Narzisst, der sich Auftragsmord für Auftragsmord die Karriereleiter der Cosa Nostra hocharbeitete.

Einen leinwandtauglichen Stoff stellt die Lebensgeschichte von John Gotti sicherlich dar, in Hollywood war man sich darüber auch schon vor Jahren einig und man wollte ein eindrucksvolles Projekt auf die Beine stellen, ganz und gar der Tradition eines Der Pate oder Es war einmal in Amerika verschrieben. In der Hauptrolle mit Al Pacino (Der Duft der Frauen) besetzt und inszeniert von Barry Levinson (Good Morning, Vietnam). Ein großer Film eben, ausgestattet mit großen Namen und großen Ambitionen. Nun ja, 40 Produzenten und eine ganze Dekade später hört das Personal auf andere Namen: Während Kevin Connolly (Entourage) auf dem Regiestuhl Platz nehmen sollte, bäumte sich in der Rolle des legendären Gangsters John Travolta (Pulp Fiction) auf, um der Welt noch einmal zu beweisen, dass er den bösen Blick noch nicht verlernt hat.

Nachdem Gotti – A Real American Godfather jedoch nicht nur am Box Office rigoros scheiterte, sondern auch ein einvernehmlich negatives Kritikerecho erhielt (0% bei Rotten Tomatoes – Chapeau!), sollte sich der Mythos rundum den sogenannten Telfon-Don schnell selbst wieder begraben. Zu Recht, erweist sich Kevin Connollys Werk doch als ein ideenloses Konglomerat aus drögen Gangsterfilm-Klischees, dem keine Plattitüde zu schade und kein Allgemeinplatz zu lästig ist. Anstatt ein psychologisch ausgereiftes Profil des Mannes anzulegen, der sich ohne jede Unterstützung in der Gosse seine Sporen verdiente und Schritt für Schritt zu einem der (in vielerlei Hinsicht) gewaltigsten Mobster überhaupt heranwuchs, ergötzt sich Connolly ganz und gar pubertär an sinistren Gestalten in Hinterzimmern, die Zigarre rauchen, ihren piekfeinen Luxuszwirn spazieren tragen und ihre aufgeblasenen Egos zur Schau stellen. Und manchmal, klick klack, landet auch mal eine Kugel im Kopf.

Das absolut Kuriose an Gotti – A Real American Godfather ist mitanzusehen, wie unglaublich ernst alle Beteiligten dieses Unternehmen doch genommen haben – und das bei einem Drehbuch, in dem jeder Satz in der Vergangenheit schon einmal gekostet, hochgewürgt, wiedergekäut und ausgespuckt wurde. Vor allem John Travolta kann einem fast schon leid tun, wenn er sich als Reißbrett-Patriarch durch dieses holzschnittartige Szenario gockelt, die Behörden verhöhnt, der Justiz eine lange Nase dreht und letztlich doch nur wie ein gescheiterter Ex-Star wirkt, der in einer x-beliebigen Fernsehproduktion (so wirkt der bildsprachlich durchgehend lieblos gestaltete Film) noch einmal die Restbestände seiner ehemaligen Herrlichkeit anzuzapfen versucht. Da wird die glorifizierte Macho-Attitüde des Gambino-Paten, der sich selbst am liebsten im Mittelpunkt gesehen hat, schnell zum Hilfeschrei eines Schauspielers, dessen glorreichen Tage wohl oder übel gezählt sind.

Fazit

Mit Sicherheit ist "Gotti – A Real American Godfather" nicht der schlechteste Film aller Zeiten, allerdings erweist sich die Regiearbeit von Kevin Connolly als dröge, austauschbare und lieblos arrangierte Aneinanderreihung von Gangsterfilm-Klischees. Tausende Male gesehen und unzählige Male davon weitaus besser. Der Versuch, John Travolta mal wieder in einer epischen Charakterstudie glänzen zu lassen, geht – nicht zuletzt aufgrund des furchtbaren Drehbuches – ebenfalls gnadenlos in die Hose. Was für ein Reinfall mit Ansage.

Autor: Pascal Reis

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