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Die eiskalte Perfektion des sadistischen Ex-KZ-Arztes Christian Szell wird für Thomas ‘Babe’ Levy zum finstersten Alptraum: Der New Yorker Student gerät unschuldig und ahnungslos in das tödliche Intrigen-Netz um einen abtrünnigen amerikanischen Agenten und einen millionenschweren Diamantendiebstahl.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

John Schlesinger (Der Falke und der Schneemann) eröffnet seinen Film mit einer Aufnahme des Marathonläufers Abebe Bikila. Zweimal konnte der Äthiopier in dieser Disziplin den Olympiasieg für sich und sein Land besiegeln, 1960 und 1964. Bikila gehörte zu dem Schlag Mensch, der gerannt ist, bis er schließlich umfallen musste – und stellt damit das größte Vorbild für den Geschichtsstudenten Thomas „Babe“ Levy (Dustin Hoffman, Kramer gegen Kramer) dar, der im Verlauf der Handlung von Der Marathon-Mann ebenfalls lernen wird, dass der Mensch tatsächlich laufen kann, bis er umfällt. Babe trainiert ebenfalls für einen Marathonlauf, während er sich in der Vorbereitungsphase für seine Dissertation befindet. Um die McCarthy-Ära soll es gehen, jene Epoche, die seinen Vater erst zerstört und dann in den Freitod getrieben hat.

Damit sind die zwei Schwerpunkte, über die sich der von Dustin Hoffman gewohnt stark gespielte Charakter definieren lässt: Seine sportliche Ertüchtigung und sein Antrieb, das Kapitel der amerikanischen Geschichte zu durchdringen, welches seine Familie ein Stück weit zerschlagen sollte. Interessanterweise stellt Der Marathon-Mann die erzählerischen Weichen etwas anders und fügt diese beiden thematischen Aspekte in einer anderen Art und Weise zusammen. Denn je vehementer Babe sich Runde um Runde seinem Lauftraining hingibt, desto stärker holt ihn die Vergangenheit alsbald ein. Eine Vergangenheit, die bis in den zweiten Weltkrieg zurückreicht; mit der er selber nichts zu tun hat, die aber dennoch ein unbewusster Teil seiner Person bedeuten soll. Irgendwann nämlich steht Christian Szell (herausragend: Laurence Olivier, Rebecca), seines Zeichens ehemaliger KZ-Zahnarzt von Auschwitz, vor ihm.

Der Marathon-Mann beweist sich von der ersten Minute an als zutiefst schwelendes Spannungskino: In jedem der eindringlich von Conrad L. Hall komponierten Fotografien scheint sich ein Gefühl der Anspannung, der Bedrohung, der Angst eingegraben zu haben. John Schlesinger und sein Drehbuchautor William Goldman, der hier seinen eigenen Roman für die Leinwand adaptiert hat, spielen über weite Strecken der Laufzeit mit der Undurchdringlichkeit dieser allgegenwärtigen, aber kaum greifbaren Gefahr. Ein bizarrer Autounfall im jüdischen Viertel von New York setzt hier eine verheerende Kausalitätskette in Gang, die vor allem Babe in furchteinflößender Härte erwischen wird: Wenn Szell sein zahnmedizinisches Instrument auspackt und sich mit dem Bohrer die gesunden Zahnnerven in Babes Mund vorknöpft, dann ist genau das der Stoff, aus dem Alpträume gemacht sind.

John Schlesinger beherrscht es in seiner Inszenierung ganz und gar formidabel, das unbehagliche Klima des Filmes wie ein kaltes Fieber über und durch den Körper des Zuschauers wandern lassen. Wenn die Ereignisspirale, in der ein Bankschließfach mit Diamanten eine entscheidende Rolle spielen wird, erst einmal wütet, dann lokalisiert sich Der Marathon-Mann in einem New York der Tristesse, wie es in dieser düster-unterkühlten Illustration nur die 1970er Jahre imstande gewesen sind. Verzweiflung, Erschöpfung, Überforderung werden durch die aufopferungsvolle Performance seitens Dustin Hoffman, der sich für die Rolle einen mehrtägigen Schlafentzug verordnet hat, zuweilen tatsächlich körperlich erfahrbar. Und darauf ist auch die Meisterschaft und das Gelingen dieses fraglosen Klassikers begründet: Es ist die Glaubwürdigkeit seiner Charaktere, die Der Marathon-Mann noch heute als einen beispielhaften Thriller auszeichnet.

Fazit

Nach wie vor stellt "Der Marathon-Mann" einen unheimlich spannenden Beitrag zum New-Hollywood-Kino der 1970er Jahre dar. Exzellent gespielt, packend inszeniert, eindringlich geschrieben. John Schlesinger setzt in seiner Adaption des gleichnamigen Romans von William Goldman nicht auf den oberflächlichen Effekt, sondern baut auf die Glaubwürdigkeit seiner Charaktere. Ein unangenehmer, unbehaglicher, mitreißender Film.

Autor: Pascal Reis

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