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Der 'Heilige Jimmy' hat seine Gangster-Karriere eigentlich beendet. Nun will aber der alternde Pate, den alle nur 'Der Mann mit dem Plan' nennen, ausgerechnet ihn um eine kleine Familienangelegenheit zu klären. Jimmy will auf Nummer sicher gehen und holt sich die Hilfe seiner alten Crew... Doch der Plan geht nicht auf.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Dass ein qualitativ hochwertiger Film nicht automatisch für kommerziellen Erfolg stehen muss, dürfte kein sonderliches Geheimnis sein. Selbst im Durchschnitt mittelprächtige Kritiken beim Release können schon mal vorkommen, die Wege des Film-Herren sind so unergründlich wie rätselhaft. Aber in der Regel werden solche verkannten Perlen doch irgendwann rehabilitiert, speziell wenn es sich nicht um irgendwelche Wald-und-Wiesen-Produktionen handelt, von denen leider keine verwertbare Kopie mehr aufzutreiben ist. Das Leben nach dem Tod in Denver ist so ein immer noch verkanntes Prachtstück, das trotz seiner Klasse und einer äußerst prominenten Besetzung (auch wenn viele der Gesichter eher durch Nebenrollen bekannt wurden und nicht alle heute noch richtig präsent sind) nur sehr selten Erwähnung findet. In Deutschland existiert bis heute keine Blu-ray-Version, die DVD-Auflagen sind auch schon reichlich betagt und trotzdem noch nicht vergriffen, was wiederum für die offenbar sehr geringe Nachfrage spricht. Und deshalb mal die ernsthafte Frage an alle da draußen: Woran genau hakt es denn?

Ein offenkundiges Problem: Oft kommt das böse Unwort Tarantino-Klon ins Spiel, wofür natürlich einige Fakten sprechen mögen. Ein Jahr nach dem großen Erfolg von Pulp Fiction kommt diese ebenfalls Dialog-lastige, vermeidlich lässig-coole Gangsterfilm-Mischpocke daher, die flotte, zitierfreudige Oneliner mit einem Sammelsurium markanter Charaktere, trockener Gewalteskapaden und zynischem Humor mischt, da werden schnell die Trittbrettfahrer-Rufe laut und das Ganze vorschnell abgefrühstückt. Ganz ohne Tarantino hätten Regisseur Gary Fleder (Das Urteil – Jeder ist käuflich) und Autor Scott Rosenberg (Con Air) wahrscheinlich nicht – zu diesem Zeitpunkt und unter diesen Bedingungen – ihr Kinodebüt realisieren können, das mit einem vernichtendem Einspielergebnis von knapp 500.000 $ (Budget: ca. 7.000.000 $) dafür auch böse baden ging. MIRAMAX und die Weinsteins brachten schon Pulp Fiction auf den Weg und natürlich hatten nur ähnlich gelagerte Projekte wesentlich bessere Chancen auf eine vernünftige Umsetzung als vorher, als das reines Indy-Stoff gewesen wäre. Denn das Script war selbstverständlich schon älter als der große Erfolg dieses Quasi-Genres, von daher ist dieser Vergleich objektiv betrachtet keinen Pfifferling wert. Und nach genauer Begutachtung sowieso nicht.

Das Leben nach dem Tod in Denver ist kein schlichtes Tarantino-Malbuch, es ist eine wundervoll ausgewogene Ballade aus Augenzwinkern und Melancholie über den eigenen, schleichenden Nachruf zu Lebzeiten. Der heilige Jimmy (in der Form seines Lebens: Andy Garcia, Der Pate 3) hat sein Ganovendasein hinter sich gelassen, will als seriöser Geschäftsmann fußfassen, aber das zugegeben eigenwillige Business mit Video-Ratschlägen Todkranker an die zukünftigen Hinterbliebenen läuft nicht sonderlich rund. Plötzlich steht er wieder bei einem alten Bekannten in der Schuld: „Der Mann mit dem Plan“ (gruselig-genial in seiner Bewegungsunfähigkeit: Christopher Walken, Die durch die Hölle gehen) – ein vom Hals abwärts gelähmtes, deshalb aber nicht minder bedrohliches Unterwelt-Oberhaupt – bittet zur Audienz. Um den finanziellen Engpass auszugleichen bietet er dem noch hochgeschätzten Jimmy einen ganz einfachen, gut bezahlten Auftrag an. Notgedrungen willigt dieser ein, aber holt von sich aus noch vier enge Freunde aus gemeinsamen Knasttagen ins Boot. Nicht das der Job so viele Leute benötigen würde, aber Jimmy will seinen Freunden etwas Gutes tun. Wie er versuchen sie sich seit ihrer Entlassung an einer ehrlichen Tätigkeit, vom Glück geküsst wurde niemand, im Gegenteil.

Sie alle haben die Kohle bitter nötig und das Risiko ist so verschwindend gering, was soll da schon schief gehen? Natürlich alles nur Denk- bis Undenkbare, die Kacke ist am Dampfen und die eigentlich gute Tat des heiligen Jimmy hat fünf imaginäre Gräber ausgehoben. „Buckwheats“ faucht „Der Mann mit dem Plan“ (ein Todesurteil auf die qualvollste Methode für alle Beteiligten), außer für Jimmy, der 48 Stunden Gnadenfrist bekommt seine Zelte in Denver abzubrechen und auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Rette deine Haut, bete für deine Freunde, doch so einfach lässt sich ein Mann von Ehre nicht vertreiben, so naiv oder gar dumm das im ersten Moment klingen mag. Anstatt wie ein lausiger Eierdieb in der Nacht zu verschwinden übernimmt er Verantwortung. Für sich und die, die nun wegen seines Freundschaftsdienstes der Schildkröte aus El Paso – dem gnadenlosen Hitman Mr. Shhh (Steve Buscemi, Fargo) – zum analen Abschuss freigegeben sind. Außerdem ist Denver gerade noch ein Stückchen attraktiver geworden: Denn Jimmy ist Hals über Kopf verliebt in die hinreißende Dagney (Gabrielle Anwar, Der Duft der Frauen). Abhauen ist keine Alternative, zumindest nicht bis reiner Tisch gemacht wurde. Und dafür reichen 48 Stunden niemals aus.

Es gibt einige Filme, die sich mit Das Leben nach dem Tod in Denver grob vergleichen lassen, aber kaum einen, der exakt seinen Ton trifft. Den er auch selbst nicht exakt, Genre-klassifizierbar treffen will, dafür wechselt er ihn bewusst, aber nie sprunghaft. Die Geschichte folgt einem konsequenten, roten Stimmungs- und Narrations-Faden, ohne das sich konträre Emotionen, typische Elemente gegenseitig ausklammern müssen oder sich nicht gegenseitig bestätigen können. Zwischen Gangsterballade, Thriller, Lovestory und schwarzer (beinah-)Groteske besteht ein schmaler Grat, den Fleder & Rosenberg erstaunlich abgeklärt bestreiten (wesentlich besser als bei jeder ihrer späteren Arbeiten). Ein Abgang mit Stil. Der langsame, aber trotz der möglichen Optionen unausweichliche Weg auf die letzte Reise, bei dem sowohl die eigene wie auch die fremd-verschuldete Scheiße noch anständig weggeräumt und der heilige Jimmy fast eine Art Märtyrer wird. Das muss man so nicht machen, aber wie es „Pieces“ (großartig: Christopher Lloyd, Zurück in die Zukunft) schon  - etwas anders formuliert – auf den Punkt bringt: Man kann als Hans Wurst verenden oder erhobenen Hauptes ins Gras beißen…ohne das es als Gangster-Glorifizierung geschieht. Hier geht es um Menschenwürde. Und die haben sich zumindest einige hier redlich verdient.

„Gute Reise!“

Fazit

Ein unterschätztes Kleinod der 90er Jahre, untergegangen und nie wieder richtig aufgetaucht. Ohne Hektik vorgetragen, mit erinnerungswürdigen Figuren, einem großartig agierenden Cast und einer angenehmen Mischung aus Coolness und Sensibilität, die verdammt schwierig zu konzipieren ist. Immer wieder wunderbar und schwer unterhaltsam.

Autor: Jacko Kunze

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