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Dorfschullehrer Jean Doucet sieht sich mit einem ungeheuerlichen Verdacht konfrontiert: Er soll seine Schülerin Catherine sexuell belästigt und versucht zu vergewaltigt haben. Er weist dies vehement von sich, doch unter dem Druck der Polizeiverhöre geben auch andere Mädchen zu, mit ihm intim geworden zu sein…

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Mit zerrissener Bluse, schluchzend und völlig aufgelöst stolpert die minderjährige Catherine durch die Straßen ihres kleinen Heimatorts. Endlich zuhause angekommen beichtet sie ihren Eltern mit zitternder Stimme, dass sie ihr Lehrer Doucet (Jacques Brel, Die Filzlaus) gerade vergewaltigen wollte. Sofort wird der Bürgermeister und im Anschluss auch direkt die Justiz eingeschaltet, dabei galt der Pädagoge bisher als unantastbares, wertvolles Mitglied der Dorfgemeinde. Die Anschuldigungen scheinen zunächst haltlos, werden aufgrund ihrer Schwere natürlich trotzdem mit der angemessenen Sorgfalt verfolgt, was allerdings einen ungeahnten Lawinen-Effekt zur Folge hat. Plötzlich werden die Vorwürfe durch unabhängig getätigte Aussagen anderer Mädchen untermauert und schon wird aus einer zunächst haltlos anmutenden Anschuldigung eine faustdicke Anklage, die dringenden Handlungsbedarf nach sich zieht.

André Cayatte (Das Urteil) – ein überregional nicht sehr prominenter, aber tüchtiger und zuverlässiger Handwerker des französischen Kinos -, liefert mit Verleumdung eine reflektierte und prickende Nabelschau einer an der Oberfläche betont sauberen und harmonischen Kleinstadtgemeinde, die sobald Druck von außen entsteht sofort verlogen und heuchlerisch in sich zusammenfällt. Natürlich ist hier auch nicht alles so fromm und vorbildlich wie man sich gerne gibt, jeder hat seine kleinen, ungeliebten Geheimnisse. Die es zu schützen – quasi zu vertuschen – gilt, wenn sie unfreiwillig auf den Tisch kommen. Also was tun? Ablenken und Abladen auf das gemeinsame Feindbild, in der Hoffnung das sich alles in Wohlgefallen oder eher Ignoranz auflösen wird, schließlich ist der akute Skandal stabil genug, um unter ihm jede persönliche Schweinerei vergraben zu können. Eine moderne Hexenjagd, erzählt durch Vorwürfe und rückwirkende Richtigstellungen, die mit Wahrnehmungen, Unwahrheiten, Interpretationen und Schlussfolgerungen spielt. Den Zuschauer bis zum Schluss ebenso im Unklaren lässt, ob er auf das richtige Pferd setzt. Oder ob womöglich keiner aus der Nummer sauber rauskommt.

Vergiftet und scheinheilig geht es hier zu. Jeder scheint ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit einem astreinen Gewissen handeln zu können, denn schließlich hat man sich durch die ein oder andere Aktion selbst mit Schuld beladen. Und versucht auf dem Rücken der Anderen dies wieder auszubügeln. Eine kleine Lüge verselbstständigt sich schnell zur Kettenreaktion. Wer erstmal drin ist, kann sich kaum noch elegant und unbeschadet rausschlängeln. Aufkeimende Probleme – gleichzusetzen mit Beweisen – werden lieber hektisch „vernichtet“ oder aus der Stadt gejagt, da man sich sonst eingestehen müsste, einen Fehler begangen zu haben. Und allen anderen dieses ebenso zu bestätigen. Lieber wird ein fatales Einzelschicksal in Kauf genommen. Dem Burgfrieden willen. Erschreckend, doch längst nicht unrealistisch. Narrativ geschickt, emotional irgendwo zwar schon parteiisch, aber nicht zwingend manipulativ und ein Stückweit auch ambivalent gestaltet sich Verleumdung, der nicht über einen perfiden Plan berichtet, nur über ein unkontrollierte Eskalation. Die sich als durchdachte Studie über soziale Gefüge und moralische Integrität betrachten lässt, denen selbst unter den besten Bedingungen immer eine Form des humanistischen Kannibalismus innewohnt.

Fazit

Zwischen bedachtem Thriller und besonnenem Sozial-Drama findet „Verleumdung“ seine Nische. Glaubwürdig konstruiert, geschrieben und gespielt. Dazu mit einer diplomatisch-richtigen Pointe versehen, die sich gegen blanke Vorverurteilung ausspricht, aber durchaus anerkennt, wenn wichtige Dinge durchleuchtend hinterfragt werden müssen.

Autor: Jacko Kunze

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